Die Primärversorgung gilt als zentraler Knotenpunkt für Patientinnen und Patienten. Ihre Relevanz ist nicht zuletzt in der Corona-Pandemie nochmals stark gestiegen. Weit über den jeweils aktuellen Anlassfall hinaus regen Allgemeinmediziner*innen die Folgeversorgung an. Soweit herrscht Einigkeit.
Um jedoch eine ganzheitliche Versorgung sicherzustellen, muss der Blick vom Nachher hin zum Vorher gerichtet werden. Die Frage, die sich aufdrängt, lautet demnach: Was können Allgemeinmediziner*innen tun, um das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen zu stärken? Was sollen die denn noch alles machen, werden die ersten kritischen Stimmen zu Recht monieren. Nur – wieder einmal – die Verantwortung einer ganzen Berufsgruppe überzustülpen, greift zu kurz. Es braucht innovative Ansätze, die mögliche Lösungen liefern.
Das soziale Rezept
Mit dem aus England stammenden Ansatz „Social Prescribing“, einfach übersetzt: soziales Rezept, kann eine erste Antwort gegeben werden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass soziale Bedürfnisse mit nichtmedizinischen Maßnahmen gedeckt werden können und somit die physische und psychische Gesundheit nachhaltig gestärkt wird. Ein nichtmedizinisches Rezept, eine Art Verordnung sozialer Aktivitäten für mehr Gesundheit und Wohlbefinden also.
Österreichweite Vorreiter
Auf der einen Seite steht das Primärversorgungszentrum, auf der anderen Seite ein Gesundheitsbüro, direkt verankert in einer Gemeinde.
Die einen stellen das soziale Rezept aus, die anderen sorgen für die Möglichkeit, es einzulösen. Ein österreichweites Vorzeigemodell ist die Kooperation zwischen dem Primärversorgungszentrum „Hausarzt Medizin Plus“ in Haslach (Oberösterreich) und des Gesundheitsdienstleisters PROGES. Bewegung und Sport, Kreativworkshops, nachbarschaftliche Unterstützung im Alltag, soziales Miteinander beim Garteln oder Schachspielen, verschiedene Themen-Cafés und Stammtische,
um sich auszutauschen – mit vielfältigen Angeboten werden Gesundheitsförderung und Prävention gestärkt.
Das Wichtigste hierbei: Die Menschen gestalten ihre Gesundheit aktiv mit. Auch neue Ideen und Anregungen der Bewohner*innen sind herzlich willkommen und werden professionell begleitet. Denn neben veralteten technologischen Informations- und Kommunikationswegen, ist es die unzeitgemäße Sicht auf die Bedürfnisse der Menschen, die dringend verändert werden muss. „Es entstehen Bedürfnisse, die das bestehende System so nicht mehr erfüllen kann: Patienten wünschen sich, inspiriert von den konsumentenfreundlichen Prozessen anderer Alltagsbereiche, eine bessere, nutzerzentrierte Gesundheitsversorgung. Sie wünschen sich mehr Autonomie und Eigenverantwortung und erwarten mehr Interaktion und Diskussion mit ihrem Hausarzt“, bringt es der Handelsblatt-Artikel auf den Punkt. Und wieder herrscht Einigkeit.
Nähere Informationen auf: www.proges.at/haslach/
Details zum Beitrag: www.handelsblatt.com