Für alle, die sich dem Thema Fußball nicht so zugewandt fühlen, eine kurze Erklärung: „Mia san mia“ ist das Motto des Vereins, das sich u.a. auch auf den Trikots der Spieler befindet. Im Kommunikationssprech würde man es wohl als Claim bezeichnen, und wie bei jedem anderen Unternehmen handelt es sich auch bei diesem Claim um die aggregierte Form des Selbstverständnisses.
Außen- und Innenwirkung
Nicht wenige bezeichnen das Bild, das der Verein selbst von sich hat, als überheblich, andere wiederum assoziieren damit die sprichwörtliche Sturheit des „Urbayern“. Nach außen mag der Claim möglicherweise polarisieren, man darf dabei aber nicht außer Acht lassen, dass er auch nach innen seine Wirkung entfalten muss. Befragt zum Credo von „Mia san mia“ sagte etwa Thomas Müller, aktuell DIE Symbolfigur des Vereins: „Es steht für eine extreme Siegermentalität und für das Bewusstsein, alles schaffen und immer gewinnen zu können. Sich nie auf Erfolgen auszuruhen, immer nach vorne zu blicken. Es gibt kein links oder rechts, es gibt nur Siege.“
Mentalität macht den Unterschied
Das Schlüsselwort in diesem Statement ist „Siegermentalität“. Der Begriff „Mentalität“ bezeichnet eine vorherrschende psychische Persönlichkeitseigenschaft im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person. Der Unterschied zwischen einem guten Fußballspieler und einem, der dem FCB hilft, seine (Unternehmens-)Ziele zu erreichen, liegt also mehr in der Persönlichkeitsstruktur, seinen Werten und Einstellungen und weniger im fußballerischen Talent (= Fachwissen) oder in der körperlichen Fitness. Letztere muss man bei Fußballern auf diesem Niveau ohnehin voraussetzen können.
Umso erstaunlicher mag es erscheinen, wie wenig dieser Erkenntnis offensichtlich Rechnung getragen wird – nicht nur beim Münchner Serienmeister, sondern generell bei millionenschweren Fußballtransfers. In den vergangenen drei Spielsaisonen haben allein die deutschen Bundesligavereine – trotz Corona und massiv fallender Einnahmen – weit über eine Milliarde Euro in neues Personal investiert. Und dies, ohne zu wissen, ob die neuen Spieler zur Vereinsphilosophie passen – im Fall der Bayern also, ob sie das ‚Mia san mia‘ (bzw. die dahinterstehenden Werte) tatsächlich so verinnerlicht haben, dass es ihr Verhalten auf dem Fußballfeld in jeder Minute anleitet.
Kernidentität liefert die Antwort
In der Vergangenheit mag die Ausrede noch gegolten haben, dass es nicht möglich sei, die Wertestruktur einer Person zu entschlüsseln. Heute allerdings gibt es Möglichkeiten, die genau auf diese Frage eine Antwort liefern können. Eines dieser Werkzeuge ist z.B. das archetypische Profiling, bei dem mit Hilfe von 16 Archetypen und 40 Werteräumen die Kernidentität und die Verhaltensmotivation einer Person bestimmt werden können. Somit würde dieses Tool nicht nur dem FC Bayern München helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, sondern jedem Unternehmen, das Schlüsselpositionen optimal besetzen will.